Von Andreas Halmanns
Der 1. Juni gehört zu den wichtigsten Daten im NFL-Kalender. Für viele Fans ist der sogenannte June-1-Stichtag lediglich eine technische Salary-Cap-Regel. Für General Manager kann er jedoch den Unterschied zwischen einem unmöglichen und einem realistischen Trade bedeuten. Deshalb könnten die kommenden Tage für die Philadelphia Eagles besonders interessant werden. Denn möglicherweise hängt die Zukunft von zwei der größten Namen der NFL enger zusammen, als es auf den ersten Blick erscheint:
A.J. Brown.
Und
Myles Garrett.
Der A.J.-Brown-Trade ist keine Frage des Ob, sondern des Wann
Bevor wir über Myles Garrett sprechen, müssen wir zunächst über A.J. Brown sprechen. Denn die eigentliche Diskussion in Philadelphia lautet inzwischen nicht mehr, ob Brown die Eagles verlassen wird. Sie lautet vielmehr:
An welchem Tag zwischen dem 1. Juni und dem Beginn der Regular Season wird der Trade bekanntgegeben?
Sportlich gehört Brown weiterhin zu den besten Receivern der NFL. Daran gibt es keinerlei Zweifel. Die wirtschaftliche Realität der Eagles sieht jedoch anders aus. Philadelphia wird in den kommenden Jahren mehrere junge Franchise-Spieler bezahlen müssen. Jalen Carter dürfte einen Vertrag erhalten, der die bisherige Grenze für Defensive Tackles neu definiert. Quinyon Mitchell entwickelt sich bereits in Richtung eines zukünftigen Top-Cornerback-Vertrags. Auch Cooper DeJean und weitere junge Leistungsträger werden früher oder später bezahlt werden müssen. Gleichzeitig wird Brown zum Zeitpunkt eines möglichen neuen Vertrages bereits deutlich über 30 Jahre alt sein.
Howie Roseman hat in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass er emotionale Entscheidungen vermeidet. Er bezahlt aufstrebende Stars. Er trennt sich von Veteranen lieber ein Jahr zu früh als ein Jahr zu spät. Deshalb erschien ein Brown-Trade seit längerer Zeit weniger als Spekulation und mehr als der nächste logische Schritt in der langfristigen Kaderplanung der Eagles. Der einzige Grund, warum dieser Schritt bislang nicht erfolgt ist, könnte schlicht der Kalender sein.
Warum der 1. Juni so wichtig ist
Der June-1-Stichtag spielt im NFL-Salary-Cap-System eine besondere Rolle. Normalerweise werden bei einem Trade sämtliche noch offenen Bonusanteile sofort auf den Salary Cap beschleunigt. Nach dem 1. Juni dürfen diese Belastungen hingegen auf zwei Jahre verteilt werden.
Hier wird es bei A.J. Brown interessant. Ein Trade vor dem 1. Juni würde für Philadelphia rund 43,5 Millionen Dollar Dead Cap sofort auslösen. Nach dem 1. Juni verteilt sich dieselbe Summe hingegen auf zwei Jahre:
| Jahr | Dead Cap Eagles |
| 2026 | 21,8 Mio. $ |
| 2027 | 21,7 Mio. $ |
Dadurch würde Philadelphia kurzfristig sogar etwas zusätzlichen Cap Space gewinnen. Somit gilt der Zeitraum zwischen dem 1. Juni und dem Beginn der Regular Season als das logische Zeitfenster für einen Brown-Trade. Die spannende Frage lautet anschließend:
Was macht Howie Roseman mit dieser neu gewonnenen Flexibilität?
An dieser Stelle beginnt die Diskussion erneut um Myles Garrett.
Warum Myles Garrett plötzlich zum Thema wird
Wenn ein Team im Super-Bowl-Fenster plötzlich zusätzlichen finanziellen Spielraum erhält, beginnt automatisch die Suche nach dem nächsten großen Baustein. Kaum ein Spieler wäre attraktiver als Myles Garrett.
Der Defensive Player of the Year 2023 gehört seit Jahren zur absoluten Elite der NFL. Garrett vereint Größe, Athletik, Technik und Explosivität auf einem Niveau, das nur wenige Spieler in der Geschichte der Liga erreicht haben. Ein Spieler seines Kalibers wird normalerweise nicht verfügbar. Deshalb galten sämtliche Trade-Gerüchte rund um Garrett lange Zeit als unrealistisch, zumal seine zuletzt abgeschlossene Vertragsverlängerung ein zusätzliches Hindernis darstellte.
NFL-Verträge bestehen dabei nicht nur aus Grundgehältern, sondern auch aus Signing Bonuses, Option Bonuses, Roster Bonuses und weiteren Bestandteilen. Der entscheidende Punkt dabei ist, dass bereits gezahlte Boni bei einem Trade grundsätzlich beim ursprünglichen Team verbleiben und die noch nicht abgeschriebenen Anteile anschließend als sogenannter Dead Cap zu Buche schlagen. Je größer diese Summen sind, desto schwieriger wird ein Trade.
Die Vertragsänderung, die alles verändert hat
Im Frühjahr 2026 vereinbarten die Browns und Garrett eine wichtige Anpassung seines Vertrags. Mehrere große Option Bonuses wurden vom März auf sieben Tage vor Beginn der Regular Season verschoben. Das klingt zunächst unspektakulär. Tatsächlich ist genau diese Änderung jedoch der Grund, warum Garrett plötzlich überhaupt wieder als Trade-Kandidat diskutiert wird.
Ohne die Anpassung hätten die Browns die großen Option Bonuses bereits im Frühjahr ziehen müssen. Die entsprechenden Beträge wären anschließend größtenteils als Dead Cap in Cleveland hängen geblieben. Durch die Verschiebung bleiben diese Boni bis kurz vor Saisonbeginn unausgelöst.
Ein aufnehmendes Team würde diese Verpflichtungen übernehmen. Dadurch wird ein Sommer-Trade überhaupt erst realistisch. Auch nach der Vertragsänderung würde ein Garrett-Trade Cleveland allerdings teuer zu stehen kommen:
| Jahr | Dead Cap Browns |
| 2026 | 15,5 Mio. $ |
| 2027 | 25,6 Mio. $ |
| Gesamt | 41,1 Mio. $ |
41 Millionen Dollar Dead Cap sind immer noch enorm. Vor der Vertragsanpassung wären die Belastungen jedoch deutlich höher ausgefallen. Deshalb erscheint ein Garrett-Trade heute erstmals realistisch.
Warum Garrett für die Eagles überraschend günstig wäre
Der eigentliche Überraschungseffekt entsteht auf Seiten der Eagles. Da Cleveland einen Großteil der alten Bonusverpflichtungen behalten würde, müsste Philadelphia hauptsächlich die zukünftigen Vertragsbestandteile übernehmen. Unter den aktuell bekannten Vertragsbedingungen ergeben sich ungefähr folgende Cap Hits:
| Jahr | Garrett Cap Hit |
| 2026 | 8,1 Mio. $ |
| 2027 | 16,1 Mio. $ |
| 2028 | 21,4 Mio. $ |
| 2029 | 58,0 Mio. $ |
| 2030 | 58,0 Mio. $ |
Entscheidend dabei ist, dass die Eagles einen der besten Pass Rusher der NFL erhalten und in den ersten drei Jahren lediglich Cap Hits von 8,1 Millionen Dollar, 16,1 Millionen Dollar und 21,4 Millionen Dollar tragen würden.
Für einen Spieler vom Niveau Garretts sind das außergewöhnlich günstige Zahlen. Ein möglicher Brown- und Garrett-Trade könnten aus diesem Grund wesentlich enger miteinander verbunden sein, als viele Fans vermuten.
Die Jahre 2028 bis 2030: Wann entsteht die nächste Entscheidung?
Die eigentliche Herausforderung eines Garrett-Trades liegt für die Eagles also nicht in den Jahren 2026 bis 2028. Mit Cap Hits von lediglich 8,1 Millionen Dollar, 16,1 Millionen Dollar und 21,4 Millionen Dollar wäre Garrett in diesen Jahren vergleichsweise günstig.
Interessant wird die Situation erst danach. Gleichzeitig würden die Eagles durch einen A.J.-Brown-Trade langfristig erhebliche Cap Hits von ihren Büchern entfernen:
| Jahr | A.J. Brown Cap Hit |
| 2028 | 27,6 Mio. $ |
| 2029 | 29,3 Mio. $ |
Diese Belastungen würden ab 2028 vollständig entfallen. Garretts Vertrag entwickelt sich dagegen wie folgt:
| Jahr | Garrett Cap Hit |
| 2028 | 21,4 Mio. $ |
| 2029 | 58,0 Mio. $ |
| 2030 | 58,0 Mio. $ |
Dadurch ergeben sich für die Eagles im Wesentlichen zwei mögliche Ausstiegspunkte.
Option 1: Trennung nach der Saison 2028
Der entscheidende Termin wäre hier die Ausübung des Option Bonus für 2029. Sollte Philadelphia zu diesem Zeitpunkt entscheiden, Garrett nicht über 2028 hinaus halten zu wollen, könnte man sich vor Auslösung dieses Bonus vom Vertrag trennen.
Der Nachteil:
Zu diesem Zeitpunkt wären noch große Teile der übernommenen Bonuszahlungen nicht abgeschrieben. Ein Ausstieg würde deshalb einen Dead Cap von deutlich über 50 Millionen Dollar verursachen. Rein technisch wäre dieser Weg möglich, wirtschaftlich erscheint er jedoch wenig attraktiv.
Option 2: Trennung nach der Saison 2029
Deutlich interessanter wird die Situation ein Jahr später. Bis dahin wären weitere Bonusanteile abgeschrieben und Garrett hätte vier Spielzeiten in Philadelphia absolviert. Ein Ausstieg vor der Saison 2030 würde dann nur noch rund 18 Millionen Dollar Dead Cap verursachen.
Deshalb dürfte ein möglicher Garrett-Trade von Anfang an eher als Vierjahresprojekt bis einschließlich der Saison 2029 betrachtet werdenl.
Was müsste Philadelphia bezahlen?
Die größte Hürde dürfte letztlich nicht der Salary Cap sein, sondern die Trade Compensation. Realistisch erscheint ein Paket aus zwei Erstrundenpicks sowie jungen NFL-Spielern. Aus Sicht der Eagles wäre dies jedoch durchaus vertretbar.
Mit Nolan Smith und Kelee Ringo verfügt Philadelphia über zwei junge Spieler mit Potenzial, die aktuell nicht zu den unverzichtbaren Grundpfeilern des Kaders zählen. Gerade Smith dürfte für Cleveland aufgrund seiner Position besonders interessant sein. Ringo wiederum bringt als junger Cornerback weiterhin Entwicklungspotenzial mit.
Sollte ein Garrett-Trade tatsächlich Realität werden, wären genau solche Spieler wahrscheinlich die Kandidaten, die Philadelphia eher abgeben könnte, ohne das Fundament des Kaders nachhaltig zu beschädigen.
Fazit
Der 1. Juni könnte für die Eagles weit mehr bedeuten als eine gewöhnliche Salary-Cap-Marke im Kalender.
Vieles deutet darauf hin, dass sich Philadelphia in den kommenden Tasgen von A.J. Brown trennen wird. Der entscheidende Punkt dabei ist jedoch nicht der Trade selbst, sondern das, was dadurch möglich wird.
Durch die Kombination aus Browns möglichem Abgang und der veränderten Vertragsstruktur von Myles Garrett entsteht erstmals ein realistisches Szenario, in dem die Eagles einen der besten Verteidiger der NFL verpflichten könnten.
Ob Cleveland tatsächlich bereit ist, Garrett abzugeben, bleibt die große Unbekannte.
Aus Sicht der Eagles wäre die Rechnung dagegen vergleichsweise klar:
Ein Elite-Receiver verlässt das Team. Die dadurch entstehende Flexibilität könnte genutzt werden, um einen Elite-Pass-Rusher nach Philadelphia zu holen.
