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Lane Johnson (Teil 1): I’m going to make this idiot eat his words

Bevor Lane Johnson mit der berühmten Hundemaske den ersten Super-Bowl-Sieg der Franchise-Geschichte feierte, verkörperte er Jeff Stoutlands Spruch „Hungry dogs run faster“ jeden Tag im Stillen. Teil 1 nimmt dich mit zurück auf die Spuren seiner Jugend und College-Zeit. Du erfährst, wie aus einem übersehenen Highschool-Athleten durch ständige Positionswechsel im College schlussendlich einer der begehrtesten O-Line-Prospects seines Draft-Jahrgang 2013 wurde.

Kapitel 1: Wurzeln, Inspiration und erste Erfolge

David Lane Johnson wurde am 8. Mai 1990 in Groveton geboren – einer Kleinstadt im Trinity County (Texas) mit damals rund 1.000 Einwohnern. Die Region liegt im tiefreligiösen und footballverrückten Piney Woods-Territorium, das durch die dichten Kiefernwälder des Davy Crockett National Forest, Holzbau und Landwirtschaft geprägt ist. Aufgrund mangelnder wirtschaftlicher Perspektiven lag die Armutsquote in Groveton bereits damals bei 20 bis 26 Prozent – rund 10 Prozentpunkte über dem US-Durchschnitt.

Lane, der nach der zehn Monate vorher verstorbenen texanischen Bullenreiter-Legende Lane Frost benannt wurde, wuchs als Einzelkind bei seiner Mutter Ray Ann Carpentier, einer Sozialarbeiterin, und seinem Stiefvater James Evans, einem lokalen Farmer und Viehzüchter, auf. Seine Eltern trennten sich in seiner Jugend; sein leiblicher Vater David war im Straßenbau tätig. Durch seinen Stiefvater und die tägliche Farmarbeit lernte Lane früh, was harte Arbeit bedeutet: Verpflichtung gegenüber der Familie ging vor, persönlicher Egoismus war zweitrangig.

Ein kleines „Handicap“ gab es während seines Aufwachsens dennoch: Seine gesamte Familie, inklusive seiner Großmutter, besteht aufgrund der geografischen Nähe aus leidenschaftlichen Fans der Dallas Cowboys – ein Detail, das seiner späteren Entwicklung jedoch keineswegs im Wege stehen sollte.

Schon als Kind begeisterte sich Lane für Brett Favre, den Quarterback der Green Bay Packers. Favres unberechenbare „Gunslinger-Mentalität“ und seine extrem hohe Belastbarkeit („tough as hell“) inspirierten Lane dazu, selbst als Quarterback im Pee-Wee-Football (Kinder-Football) zu beginnen – eine Position, die er später auch am College vorübergehend ausübte.

An der Groveton High School lief er für die Groveton Indians auf. Da sein Jahrgang aus nur 30 Mitschülern bestand, fiel die Schule in die Kategorie Class 1A. In Texas werden Highschools nach ihrer Schüleranzahl klassifiziert: Die damalige Einteilung reichte von Class 1A für kleine Schulen mit etwa 100 Schülern bis Class 5A ab ca. 2.100 Schülern (heute reicht die Skala bis Class 6A ab 2.300 Schülern). An Class-1A-Schulen wird mitunter nur 6-Man-Football (6 gegen 6) gespielt; die Groveton Indians traten jedoch im regulären 11-gegen-11-Football an. Je geringer die Klassifizierung einer Highschool ist, desto niedriger ist in der Regel auch die spielerische Qualität der Matches — was nicht zuletzt am fehlenden internen Konkurrenzdruck und dem überschaubaren Kaderpotenzial liegt.

Trotz des unterklassigen Schulfootballs machte Lane sportlich auf sich aufmerksam und sicherte sich zwei bedeutende Einzelauszeichnungen:

  • All-District First Team Quarterback: Wahl zum besten Spielmacher seiner Highschool-Liga und Region.
  • Honorable Mention All-State (Texas): Ehrung auf Bundesstaatsebene als einer der besten Class-1A-Highschool-Spieler in ganz Texas.

Schon damals zeichnete sich ab, dass sein sportlicher Ehrgeiz weit über das Football-Feld hinausreichte.

Kapitel 2: Vom vielseitigen Ausnahmetalent zum inneren Kampf

Seine athletischen Fähigkeiten beschränkten sich keineswegs nur auf Football. Auch in der Leichtathletik feierte er beachtliche Erfolge: Bei den UIL 1A State Track & Field Championships 2008 in Austin belegte er im Kugelstoßen mit 15,21 Metern den vierten Platz im gesamten Bundesstaat Texas.

Doch nicht nur auf dem Sportplatz glänzte er, sondern ebenso durch herausragende akademische und gesellschaftliche Leistungen. Als Jahrgangsbester (Valedictorian) schloss Lane die Highschool mit einem exzellenten Notendurchschnitt von 3,87 GPA ab – was einem deutschen Einser-Schnitt entspricht. Sein Lehrer Larry Fortenberry erinnerte sich später daran, dass er praktisch jede freie Minute nutzte, um Bücher zu lesen während sich andere Mitschüler unterhielten.

Als Kind aus einer ländlichen Region engagierte er sich zudem in der FFA (Future Farmers of America) und züchtete wie pflegte jedes Jahr eigene Rinder (steers) für die regionalen Landwirtschaftsmessen im Trinity County. Neben den Naturwissenschaften entdeckte Lane auch seine kreative Seite und besuchte den Theaterunterricht. Dort schätzten die Lehrer seinen ausgeprägten, humorvollen Charakter und seine Bereitschaft, auf der Bühne aus sich herauszugehen.

Eine weitere prägende Lektion fürs Leben verdankte er schließlich einem Nebenjob, der seinen immensen Arbeitsethos begründete: Als Highschool-Sophomore heuerte er beim örtlichen Groveton Funeral Home an und arbeitete für den Mindestlohn als Totengräber. Zwar stand für die Vorarbeiten ein Traktor zur Verfügung, doch bei tieferen Erdschichten stieß die Maschine im extrem harten, ausgetrockneten texanischen Lehmboden an ihre Grenzen. Lane musste mit Meißel und Schaufel per Hand den Boden aufbrechen und die Gräber ausheben. Während seiner späteren NFL-Karriere blickte er oft auf diese schwere Arbeit zurück: Auf dem Friedhof von Groveton habe er gelernt, was wahre körperliche Härte, Disziplin und Ausdauer bedeuten.

Um einen Ausgleich zum Sport und Arbeitsalltag zu finden, verbrachte Lane viel Zeit in den Wäldern Osttexas. Die Wildschwein- und Hirschjagd sowie das Angeln an lokalen Teichen gaben ihm Ruhe und mentale Balance – Leidenschaften, denen er bis heute nachgeht.

Doch die fehlende wirtschaftliche Perspektive in Groveton und sein unbändiger Wille, mithilfe von Football aus der Kleinstadt herauszukommen, sollten auch eines seiner dunkelsten Kapitel zum Vorschein bringen. Der Druck, das sportliche Aushängeschild einer texanischen Provinz zu sein, hinterließ tiefe Spuren. In Groveton ruhten alle Hoffnungen auf ein begehrtes Division-I-College-Stipendium auf Lanes Schultern. Gleichzeitig wurde ihm in seiner Heimat stetig das Gefühl vermittelt, dass man es als Kleinstädter ohnehin schwerer habe – gepaart mit der täglich gelebten Mentalität: „Pushing through pain“ – Schmerz muss man einfach wegstecken. Aus Angst, seine Familie und seine Heimatstadt zu enttäuschen, lud er sich einen extremen Erfolgsdruck auf.

Dadurch entwickelten sich bereits in der Highschool schwere Angstzustände (Anxiety). Wegen des ständigen Erwartungsdrucks wachte er an Spieltagen morgens oft mit Panik auf und musste sich vor den Spielen übergeben. Da von einem Athleten in der Provinz jedoch unerschütterliche Härte erwartet wurde, verschwieg er seine Ängste jahrelang – ein psychischer Ballast, der ihn später wieder einholen sollte. Erst 2021 ging er in der NFL öffentlich mit seinen Erfahrungen mit Angststörungen und Depressionen um und wurde so zu einem der führenden Mental-Health-Botschafter der Liga.

Kapitel 3: Das übersehene Talent und der Umweg über das Junior College

Lanes Weg an die Spitze verlief alles andere als geradlinig. Aufgrund der winzigen Highschool und der Einstufung in die Class 1A verirrten sich so gut wie keine Scouts von großen FBS-College-Programmen nach Groveton. Die Konsequenz: Von den führenden Recruiting-Portalen wie 247Sports, Rivals und Scout wurde er schlicht als „Zero-Star-Talent“ geführt. Üblicherweise werden Highschool-Nachwuchsspieler auf einer Skala von null bis fünf Sternen bewertet – je mehr Sterne, desto begehrter der Rekrut. Jalen Hurts und DeVonta Smith galten zum Vergleich als begehrte 4-Sterne-Talente.

Doch die fehlende Sichtbarkeit war nicht das einzige Problem: Talent-Scouts wussten schlichtweg nicht, wie sie ihn aufgrund seiner Statur in Kombination mit seiner Highschool-Position einordnen sollten. Zum Zeitpunkt des Recruitings war Lane bereits 1,98 Meter groß (6’6″), wog jedoch nur rund 91 Kilogramm (200 lbs). Für einen klassischen Quarterback war er damit ungewöhnlich hochgewachsen, für die Positionen in der Offensive oder Defensive Line wiederum viel zu leicht. So fiel er wegen seines ungewöhnlichen Körperbaus und der unterklassigen Konkurrenz durch das Raster – kein einziges höherklassiges College bot ihm ein Football-Stipendium an.

Quelle: Jimmy Kempski (Twitter)

Das einzige Stipendiumsangebot stammte vom Kilgore College – einem Junior College (JUCO) in Osttexas. Lane nahm dieses an und wurde 2008 Teil der Kilgore Rangers. Zum besseren Verständnis: Das FBS-Level (Football Bowl Subdivision) – in dem Schwergewichte wie Alabama, Ohio State oder Georgia spielen – bildet die höchste Spielklasse im US-College-Football. Darunter folgt das FCS-Level und erst eine Etage tiefer rangieren die Junior Colleges. JUCOs dienen meist als Auffangbecken für Spieler, die wegen akademischer Defizite, persönlicher Rückschläge oder – wie im Fall von Johnson – fehlender Angebote der großen Universitäten keinen direkten Platz im FBS-Bereich fanden.

Bei den Rangers erlebte Lane eine kurze, durchwachsene Zeit. Eingesetzt als Backup-Quarterback, warf er in seiner Premierensaison für 510 Yards bei 3 Touchdowns und 7 Interceptions – mit einer Passquote (Completion Rate) von 52,4 Prozent. Aus sportlicher Sicht zahlte sich der Versuch, weiter auf der Position des Spielmachers zu agieren, nicht aus. Gleichzeitig veränderte sich jedoch seine Physis drastisch: Während seines ersten Jahres nahm Lane bei gleichbleibender Leichtfüßigkeit rund 23 Kilogramm (50 Pfund) an Masse zu.

Die entscheidende Wende folgte durch einen Zufall. Vor einem Trainingsspielzug fragte ihn sein damaliger Headcoach J.J. Eckert, ob er in einer Goal-Line-Formation als Tight End aushelfen könne, da der etatmäßige Spieler verletzungsbedingt ausfiel. Aufgrund seiner Statur und Beweglichkeit schien Johnson aus Sicht der Trainer prädestiniert dafür. Lane reagierte überrascht und fragte knapp: „Was soll ich tun?“ Sein Coach entgegnete trocken: „Lauf einfach durch die C-Lücke – und wenn du jemanden siehst, hau ihn um.“ Im folgenden Trainingsspielzug setzte der Positionsneuling die Anweisung wortwörtlich um und begrub einen Linebacker mit einem wuchtigen Pancake-Block unter sich.

Wie es der Zufall wollte, schaute bei diesem Training der Scout eines FBS-Programms zu. Beeindruckt von dieser Kombination aus Wucht und Schnelligkeit wurde Lane im Anschluss direkt ein Vollstipendium in Aussicht gestellt. Über die folgenden Wochen sprach sich sein außergewöhnliches Potenzial in der südlichen College Football-Hemisphäre herum, und Johnson erhielt plötzlich Stipendiumsangebote von hochrangigen FBS-Colleges wie TCU, Oklahoma State und Oklahoma.

Dass letztlich der Kontakt zu Oklahoma zustande kam, war seinem ehemaligen Groveton-Highschool-Coach Keith Thomas zu verdanken: Thomas hatte von 1974 bis 1976 selbst für dieses College gespielt und Ende der 1990er-Jahre dort als Runningback-Coach gearbeitet. Aus dieser Zeit kannte er Merv Johnson, der inzwischen zum Director of Football Operations bei Oklahoma aufgestiegen war. Ein einziger Anruf von Keith Thomas bei seinem alten Weggefährten genügte – und Lane Johnson stand auf der Scouting-Liste des Colleges.

Kapitel 4: Der Weg zur O-Line U – Disziplin, Milch und ein historischer Aufstieg

2009 entschied sich Johnson für die University of Oklahoma (OU), auch bekannt als die Sooners. Dort sollte er als Tight End die Nachfolge von Jermaine Gresham antreten. Gresham wurde im NFL Draft 2010 in der ersten Runde an Stelle 21 von den Cincinnati Bengals ausgewählt (später spielte er für die Arizona Cardinals) und hinterließ gigantische Fußstapfen: Bei den Sooners wurde er als First-Team All-American Tight End ausgezeichnet – eine Berufung in das landesweite All-Star-Team des College-Footballs, die prestigemäßig mit der All-Pro-Ehrung der NFL vergleichbar ist.

Sein erstes Jahr verbrachte Lane als Redshirt-Spieler im Roster von OU. Er war somit trainingsberechtigt, durfte jedoch laut damaligem Reglement in keinem Spiel eingesetzt werden. Die Coaches wollten ihn an das viel höhere athletische und spielerische Niveau gewöhnen. Ein ganzes Jahr lang lag der Fokus für Lane auf Training – teilweise wurde er im Scout-Team sogar als Quarterback eingesetzt, um die gegnerischen Spielmacher für die eigene Defense zu simulieren.

Recht schnell zeigte sich jedoch, dass das Trainerteam keine ideale Position für Lane fand, wie OU-Trainerlegende Bob Stoops später einräumte. Als Tight End fehlte ihm das natürliche Passfang-Talent, gleichzeitig wollte man Johnsons enormes athletisches Potenzial als reinen Blocker nicht auf dieser Position verschenken. Mitten in der Saison 2010 schulte man ihn daher zum Defensive End um. Den Sooners fehlte es an Ersatzpersonal in der Defensive Line und man wollte wiederum Lanes Athletik nutzen, um den gegnerischen Quarterback unter Druck zu setzen – auch als Belohnung für seine extrem harte Arbeit im Training. Das Experiment brachte jedoch keinen nennenswerten Durchbruch und die Saison 2010 ging ohne große Spielzeit zu Ende. Rückblickend gab Lane offen zu, dass er sich auf beiden Positionen – weder als Tight End noch als Edge Rusher – jemals wirklich wohlgefühlt hatte.

Im März 2011 folgte die entscheidende Wende: Der vorgesehene Right Tackle Jarvis Jones zog sich während des Spring Practices eine schwere Knieverletzung (Patellasehnenriss) zu. Zwar stand Daryl Williams bereit, um die Starter-Rolle zu übernehmen, doch dahinter klaffte eine Lücke in der Tiefe des Kaders. Johnson ging zu diesem Zeitpunkt eigentlich mit der Absicht in die Vorbereitung, sich als Defensive End durchzusetzen. Um seine Spritzigkeit für diese Position zu behalten, hatte er sich bis dahin regelrecht heruntergehungert, um sein Gewicht von 270 Pfund (knapp 122 kg) zu halten.

Das Coaching-Team um Bob Stoops verfolgte jedoch ganz andere Pläne. Die Verletzung von Jones wirkte wie ein Katalysator für eine Überlegung, die schon länger im Raum schwebte: Johnson in die Offensive Line zu stellen. In dieser personellen Notlage trat Offensive-Line-Coach Bruce Kittle an Johnson heran. Er bat Lane, zumindest vorübergehend im Training in der Line auszuhelfen, was Johnson zuerst als Scherz verstand. Aus dem vermeintlichen Liebesdienst wurde allerdings schnell ein permanenter Tapetenwechsel. Noch während des Spring Practices fragte Stoops seinen Strength-Coach Jerry Schmidt, wie lange es dauern würde, um Johnson auf die magische Offensive-Line-Gewichtsmarke von 300 Pfund zu bekommen. Schmidt antwortete salopp: „Eine Woche und einen Cheeseburger.“

Ganz so schnell ging es zwar nicht, doch Lane sollte sein Gewicht recht schnell erreichen. Um die Masse aufzubauen, trank er laut eigener Aussagen jeden Abend eine halbe Gallone (knapp 1,9 Liter) Milch – in Form von Proteinshakes, Schokomilch oder Vollmilch. Schon bald brachte Johnson bei einer Körpergröße von 1,98 m stolze 305 Pfund (ca. 138 kg) auf die Waage – ohne seine phänomenale Athletik einzubüßen.

Sein Antritt war für diese Gewichtsklasse spektakulär: Auf 40 Yards lief er Zeiten von ca. 4,8 Sekunden. Zum Vergleich: Ein Offensive Tackle gilt bereits bei Werten um die 5,0 Sekunden als Elite-Athlet. Noch beeindruckender war sein Split auf den ersten 10 Yards: Beim späteren NFL Combine sollte er mit 1,61 Sekunden einen historischen Wert aufstellen (der Liga-Durchschnitt für Offensive Tackles liegt bei 1,75 bis 1,85 Sekunden). Wenn Johnson im Laufe seiner Karriere oft fälschlicherweise vorgeworfen wird, Frühstarts (False Starts) zu begehen, liegt das häufig schlicht an seiner explosiven Beinarbeit.

Zudem profitierte Lane vom herausragenden Ruf Oklahomas als „O-Line University“. So konnte das damalige OU-Programm unter anderem Trent Williams zu einem der besten NFL- Left Tackle überhaupt entwickeln und auch Phil Loadholt sollte bei den Minnesota Vikings jahrelang die Position des Right Tackles begleiten. In der damaligen Big-12-Conference bauten die Sooners auf Hünen in der O-Line, die extrem beweglich sein mussten, um in einer spektakulären und passlastigen Air Raid Offense spielen zu können. In diesem Offensive-Scheme wird der Ball ununterbrochen geworfen, was herausragende Qualitäten in der Pass Protection erfordert, um dem QB die nötige Zeit zu verschaffen. Da oft auch No-Huddle gespielt wurde, war die gesamte Line zudem häufig pausenlos in Bewegung.

Johnson startete die Saison 2011 zunächst als Ersatzspieler, brachte jedoch das natürliche Talent mit, um auf der Tackle-Position aufzublühen. Bereits im Saisonauftakt gegen die Tulsa Golden Hurricane kam er beim Stand von 30:7 von der Bank, um erste Praxis unter Realbedingungen zu sammeln. Das Spiel entschieden die Sooners am Ende 47 zu 14 für sich. Im Anschluss wurde er für die restlichen 12 Spiele der Saison fest zum Starting Right Tackle ernannt.

Direkt in seinem ersten Spiel als Starter wartete ein echter Härtetest: Gegen die Florida State Seminoles (FSU) traf er auf Björn Werner – eine spätere deutsche College-Legende, FSU-Hall-of-Famer und einer der gefürchtetsten Edge-Rusher der College-Geschichte. Auch wenn Werners spätere NFL-Karriere berechtigterweise als Draft-Flop verbucht werden muss, genießt er in der College-Welt bis heute den Ruf als einer der dominantesten Pass-Rusher, die je für die Seminoles auf dem Platz standen.

Die Sooners beendeten die Regular Season mit einer 9:3-Bilanz und schlossen das Jahr mit einem 31:14-Sieg über die Iowa Hawkeyes im Insight Bowl ab. Unter der Regie seines O-Line-Coaches Bruce Kittle entwickelte sich Lane rasant weiter. Insbesondere seine Beinarbeit, sein Blocking und sein Anker (Aiming Point) verbesserten sich enorm. Der Anker beschreibt den exakten Punkt am Körper des Gegners, an dem Handplatzierung, Schwerpunktausrichtung und Blickrichtung zusammentreffen, um die absolute Kontrolle zu behalten – getreu dem Motto: „Wohin deine Augen blicken, dorthin folgt dein Körper.“

Für O-Line-Interessierte folgender Link: https://www.theohlineacademy.com/post/3-keys-to-being-a-great-offensive-linemen

Funfact am Rande: Bruce Kittle coachte von 2010 bis 2012 bei den Sooners und formte Lane Johnson zu einem der besten Offensive Linemen des Landes. Nach der Saison 2012 verließ Kittle Oklahoma – unter anderem, um sich voll auf die sportliche Karriere seines Sohnes George zu konzentrieren.

Quelle: KLTV.com

Kapitel 5: Vom erneuten Umschüler zum Star des Senior Bowls

Zwischen den Spielzeiten 2011 und 2012 reifte bei Headcoach Bob Stoops und seinem Trainerstab ein kühner Plan: Johnson sollte in die Königsdisziplin der O-Line wechseln – die Position des Left Tackles. Der bisherige Starter Donald Stephenson verließ die Sooners nach der Saison 2011 Richtung NFL, wodurch die Blindside des Quarterbacks neu abgesichert werden musste. Das Coaching-Team zeigte sich von der steilen Lernkurve des einstigen JUCO-Spielers fasziniert; erneut sollten seine Anpassungsfähigkeit, Athletik und überragende Beinarbeit den Ausschlag geben. Begünstigt wurde die Chance auch durch das Pech von Tyler Evans – dem eigentlichen Nachfolger Stephensons –, der sich kurz vor Saisonbeginn schwer am Knie verletzte.

Beim Saisonauftakt gegen UTEP testete der Trainerstab noch verschiedene Konstellationen und nahm Lane im Laufe der Partie vom Feld. In den zwei darauffolgenden Spielen erhielt zunächst sein Positionskonkurrent Tyrus Thompson den Vorzug, wobei Lane diesmal von der Bank eingewechselt wurde. Doch Johnson setzte sich durch: Am Ende der Saison stand er in 11 von 13 Spielen als Starting Left Tackle auf dem Rasen und kam in allen Partien zum Einsatz.

Die Sooners beendeten die Regular Season mit einer starken 10:2-Bilanz, mussten sich jedoch im anschließenden Cotton Bowl den Aggies von Texas A&M rund um Heisman-Trophy-Gewinner Johnny Manziel geschlagen geben. Dennoch erntete Lane Johnson in seiner letzten Saison bei OU immense persönliche Anerkennung: Er wurde in das Second-Team All-Big 12 gewählt, von CBS Sports als Third-Team All-American ausgezeichnet und als einer der dominantesten Offensive Linemen der Nation gefeiert. Als Ankerpunkt der Line trug er maßgeblich dazu bei, dass Oklahoma eine der 20 besten Offensive Lines des gesamten College-Footballs stellte. Über die gesamte Saison ließ die O-Line lediglich 14 Sacks zu – in den letzten fünf Spielen blieb Quarterback Landry Jones mit insgesamt nur zwei kassierten Sacks praktisch unberührt.

Trotz dieser Werte zeigte sich die NFL-Scouting-Welt im Vorfeld des Drafts 2013 skeptisch. In den Scouting-Boards rangierte Johnson am Ende der regulären Spielzeit lediglich auf Platz 112 der Gesamtrangliste und galt als zwölftbester Offensive Tackle. Viele Experten stuften ihn nur als Spätrunden-Pick (Late Round Draft Pick) ein und zweifelten vor dem Spiel gegen Texas A&M offen an seiner reinen Football-Athletik. Eine Fehleinschätzung, die Lane nicht unbeantwortet ließ. Via Twitter konterte er trocken: „Ich werde es diesem Idioten noch beweisen“ („I’m going to make this idiot eat his words“).

Lane ließ Worten Taten folgen. Im Cotton Bowl traf er direkt auf Defensive End Damontre Moore – einen Pass-Rusher, der bis dahin als sicherer Erstrunden-Pick gehandelt wurde. Johnson neutralisierte Moore über das gesamte Spiel komplett. Während Moores Aktie auch aufgrund dieses Duells und späterer schwacher Combine-Leistungen inklusive Interviews fiel, schoss Johnsons Draftwert in die Höhe. Das darauffolgende Frühjahr nutzte Lane als ultimatives Schaufenster, um beim Senior Bowl und dem NFL Combine sämtliche Vorurteile förmlich zu pulverisieren. Bereits in der Trainingswoche des Senior Bowls spielte sich Lane auf den Boards der NFL-Teams nach ganz vorne. Für den sportlichen Paukenschlag sorgte er schließlich im eigentlichen Spiel mit einer Szene, die Scouts nachhaltig beeindruckte: Nach einem verunglückten Wurf des eigenen Quarterbacks fing Cornerback Will Davis (Utah State) den Ball ab und sprintete über 25 Yards an der Seitenlinie entlang – bis der über 130 Kilo schwere Johnson das defensive Leichtgewicht dank seiner enormen Schnelligkeit sowie seiner Spielintelligenz einholte und ins Seitenaus beförderte.

Beim NFL Combine setzte er schließlich historische Maßstäbe: Den 40-Yard-Dash absolvierte der 138-Kilo-Koloss in atemberaubenden 4,72 Sekunden und verzeichnete beim Weitsprung aus dem Stand (Broad Jump) eine Weite von 118 Zoll (2,99 Meter). Damit war er auf 40 Yards gemessen schneller als Philly-Tight End-Legende Zach Ertz (4,76 Sekunden) und sprang aus dem Stand weiter als Elite-Receiver DeAndre Hopkins (115 Zoll / 2,92 Meter) – beides Spieler derselben Draft-Klasse. Spätestens jetzt war klar: Lane Johnson war kein Spätrunden-Experiment mehr, sondern ein absoluter Top-5-Kandidat.

NFL-Combine-Werte

Zu messender Wert (Measurable)Gemessener Wert (Measurement)Perzentil in %
Größe6′ 6″61
Gewicht303 lbs14
Armlänge35¼”86
Handgröße10⅛”58
10 Yard Split1.61s98
40 Yard Dash4.72s99
Vertical Jump34″95
Broad Jump118″98
3-Cone Drill7.31s95
20 Yard Shuttle4.52s87
Bench Press28 Wiederholungen76

Quelle: https://www.mockdraftable.com/player/lane-johnson

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